ICOs Ende 2018

13/11/2018

Florian Protschka

administrator

Es war ein unglaublicher Hype, den die Startup-Szene und Finanzwirtschaft 2017 erlebte, als junge Unternehmen mit ICOs in kürzester Zeit Millionen Euro einsammelten. Umfangreiche Businesspläne oder verschiedene Seed Runden waren aber nicht zu finden – mit teilweise kurzgefassten Whitepapern wurden Investoren überzeugt, viel Geld in Startups zu pumpen. Das Ende des Hypes fand sich im Platzen der Blase, die viele Millionen Euro an Vermögen vernichtete.

Dabei ist die Idee hinter den ICOs generell nichts schlechtes. Die herausgegebenen Utility Token können auf der Plattform des jeweiligen Produktes auf verschiedene Weise eingesetzt werden. Wenngleich mit Security Token (STOs) durch den Markt ein Nachfolger kreiert wurde, der quasi Aktien digitalisiert und tokenisiert, wäre es falsch, den Utility Token die Totenmesse zu lesen. Trotzdem haben sich natürliche Grenzen für ICOs und Utility Token gezeigt.

Die natürlichen Grenzen des Utility Token

Utility Token werden auf der Plattform des jeweiligen Produktes genutzt. Dadurch sind sie nicht von vor herein global einsetzbar und nutzbar. Das zeigt sich auch im Vergleich zu Security Token. Der Investor aus Europa kann einen Security Token aus Asien erwerben, zu einem Produkt, welches er niemals nutzen kann, da dieses nur in Asien eingesetzt wird. Bei Security Token ist das für den Investor kein Problem, denn bei einem Erfolg des Produktes erhält er eine Dividende. Diese Betrachtung zeigt die Grenze der Utility Token. Denn für einen Investor aus Europa würde nach Definition die Investition nur dann Sinn machen, wenn er den Token auch nutzen kann. Bei einem allein auf dem asiatischen Markt einsetzbaren Produkt ist das schwierig. Diese Situation bestand natürlich auch schon während des Hypes, jedoch machte eine bestimmte Idee viele Investoren blind: Wenn man den Token schon nicht selbst nutzen kann, so kann man jedoch auf eine Wertsteigerung hoffen und den Token später mit Gewinn verkaufen. Da jedoch die meisten Investoren auf den Handel auf Exchanges spekulierten und der eigentliche Sinn in den Hintergrund geriet, war schon ein grundlegender Fehler gefunden. Hinzu kam, dass viele Startups nicht die hinreichende Qualität mitbrachten: Die konnten zwar ein Whitepaper verfassen und die Werbetrommeln schlagen, waren aber dann mit der Umsetzung des Projektes nach erfolgreichem ICO zu überfordert, dass das Projekt scheiterte. In diesem Moment scheiterte der Markt als Korrektiv. Wohl auch, da die grundlegende Idee, den Token später auf der Plattform zu nutzen, kaum noch Beachtung fand. Wie üblich entwickelte sich die Blase sehr schnell, eine rationale Betrachtung der Kernidee fand kaum noch statt und von dem Ziel, keine noch so gute Investitionsmöglichkeit zu verpassen (siehe FOMO) wurde immer mehr Geld in unzureichend qualifizierte und marktreife Startups gepumpt. Das Ende ist bekannt.

Die Zukunft der ICOs

Wenngleich STOs, zu recht, als kommende Möglichkeit gefeiert werden, langfristig Geld zu investieren, sind die ICOs noch nicht auf dem Totenbett angekommen. Ob sie jedoch eine Zukunft haben, hängt viel davon ab, ob in Zukunft Produkte konzipiert werden, die tatsächlich einen Bedarf abdecken, in denen die Utility Token sinnvoll integriert sind und ob die jungen Unternehmen dahinter die nötige Qualifikation besitzen. Gerade die sinnvolle Integration der Utility Token in das Produkt fand während der Blase kaum statt. Die Aussicht, schnell viel Geld zu verdienen, gebar zwar viele ICOs, aber selten mit in sich abgeschlossenen, sinnvollen Konzepten für den Token. Genau darauf werden Investoren heute vermehrt achten. Das Produkt mit dem Token, der auf der Plattform sinnvoll eingesetzt wird, stehen im Vordergrund, und nicht der Crowdsale. Startups werden generell kritischer begutachtet, sowohl vom Markt an sich als auch von den (potentiellen) Investoren. Auch reicht es nicht mehr aus, alleine eine noch so gute Idee zu haben. Ein MVP und ein fertiger Smart Contract, der von einem professionellen Unternehmen auditiert wurde, sind ebenfalls Anforderungen an heutige Unternehmen. In Zukunft wird es nicht mehr so viele ICOs geben wie 2017, aber dafür nimmt die Qualität der Produkte und folglich der ICOs zu – Qualität schlägt eindeutig die Quantität.

Kurzum: Eine kritischere Betrachtung von ICOs, Unternehmen und dem gesamten Markt, haben zu einer Reinigung des Marktes geführt und dadurch letztlich zu mehr Qualität.