Wieso die Geldanlage auf der Bank keine Rendite mehr abwirft

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09/11/2017

Florian Protschka

administrator

Wieso die Geldanlage auf der Bank keine Rendite mehr abwirft

Wer heute sein Geld auf das Bankkonto legt stellt fest, dass man kaum noch Zinsen erhält. Warum das so ist, erläutern wir nun zur Einführung:
Zuerst muss klargestellt werden, was eigentlich gemeint ist, wenn wir von „Geld“ sprechen. Geld ist ein buchhalterischer Gegenstand zum messen von Werten und zum Erwerb dieser – kurzum: Es ist ein Zahlungsmittel. Für 5€ erhalten wir 1 Dürüm. Dabei ist Geld nicht gleichzusetzen mit Euro, Dollar oder etwaiger anderer Währung. Das was wir lange Zeit unter Geld verstanden, ist das sogenannte „Zentralbankgeld“. Die Zentralbank ist eine offizielle festgelegte Institution, die in einem festgelegten Raum, dem Währungsraum, für die Versorgung mit dem Zentralbankgeld zuständig ist. Ein solcher Währungsraum ist der Euroraum mit der Währung Euro und der Europäischen Zentralbank (EZB) oder die USA mit dem US-Dollar und der Federal Reserve (Fed).
Nehmen wir nun die EZB und den Euro: Die Aufgabe der EZB ist die Preisniveaustabilität. Die Preise wiederum hängen mit der Geldmenge zusammen, also der Menge an Euro die im Umlauf sind. Bestenfalls ist der Wert der Geldmenge gleichzusetzen mit dem Wert der realen Wirtschaft. Die EZB tätigt hierzu Geldpolitik, dessen Instrument wiederum der Leitzins ist. Mit diesem Leitzins können vor allem zwei Mechanismen in Gang gesetzt werden:
1. Hoher Leitzins führt zu einer Geldmengen-Verknappung und hohen Zinsen für Verbraucher
2. Niedriger Leitzins führt zu einer Geldmengen-Erhöhung durch eine expansive Kreditpolitik der Banken.
Durch die Wirtschafts- und Schuldenkrise in Europa hat die EZB den Entschluss gefasst, dieser Krise entgegenzutreten. Hierfür nutzt sie das Instrument des „billigen Geldes“. Dies ist die Idee der EZB:
Der Leitzins ist sehr niedrig oder gar bei Null. Die Banken können nun sehr günstig oder umsonst Kredite bei der EZB erhalten. Dadurch wird die Geldmenge massiv erhöht. Dies führt dazu, dass die Zinsen für Kredite, die die Banken an Unternehmen geben, sehr gering sind. Als Folge wird mehr investiert, Arbeitsplätze geschaffen und die Wirtschaft im Euro-Raum unterstützt. Gleichzeitig können die Schulden der Staaten schneller zurückgezahlt werden. Soweit die Theorie, denn gerade die Investitionen lassen noch auf sich warten. Doch da nun die Banken über günstiges Geld verfügen, sind sie nicht mehr so sehr auf die Einlagen ihrer Kunden angewiesen. Diese Einlagen „belohnen“ sie ansonsten wiederum mit ihren Zinsen und daraus folgt die Rendite für die Anleger. Doch genau diese Zinsen, also Renditen, fallen weg. Entweder sind die Zinsen so gering, dass sie kaum eine Rendite abwerfen oder die Inflation frisst diese auf. Dieses Null-Geschäft ist teilweise sogar noch das weniger schlimme Szenario, da nun auch die Negativzinsen existieren, der Sparer also noch draufzahlen muss. Ein Dürüm kostet nun 6€.
Es zeigt sich nun, dass durch die, gut gemeinte, EZB-Politik der Sparer bei der Geld-Anlage auf der Bank, nicht profitiert.
Zuerst könnte man meinen, die EZB müsste den Leitzins einfach wieder anheben. Doch dass das nicht geht zeigt ein Blick in die Psychologie des Marktes. Denn hier spielt die Wette eine große Rolle: wie wird sich die Wirtschaft in der Zukunft entwickeln? Alle Akteure blicken darauf und leiten ihr Handeln davon ab. Das bedeutet nun, dass eine schon minimale Leitzins-Erhöhung einen Schock auf dem Markt auslösen könnte und Investitionen einbrechen – allein aus der Sorge, dass der Leitzins in Zukunft weiter erhöht wird.
Welche Möglichkeiten gibt es also noch?
Viele denken sicherlich an die Anlage in Aktien. Aktien wären eigentlich eine gute Idee. Doch aus den niedrigen Zinsen, dem billigen Geld, folgt ein Problem: Ein ökonomisches Gesetz ist, dass bei geringen Preisen für Geld, also geringen Zinsen, der Preis für Aktien, also die Aktien-Kurse, hoch sind. Das ist sofern logisch, da viele ihr Geld nicht mehr auf der Bank anlegen, sondern in Aktien. Diese gesteigerte Nachfrage lässt wiederum die Kurse steigen. Welche Aktie nun einen realen Wert hat und wessen Wert eher eine Blase ist, ist schwer zu erkennen. Gerade für Anleger, die ihr Geld nicht nur „parken“, sondern wirklich vermehren möchten, wären daher eher sogenannte Penny Stocks interessant. Diese Aktien haben starke Kurs-Schwankungen, aber sind auch extrem risikoreich. Nicht selten sind die Unternehmen hinter den Penny Stock kurz vor der Insolvenz.
Dann gibt es noch die Möglichkeit in Immobilien zu investieren. Doch hier ist das preisliche Einstiegslevel hoch und durch das billige Geld sind auch die Immobilien-Preise gestiegen.
Zusammengefasst:
Durch die niedrigen Leitzinsen (oder Nullzinsen) erhalten Sparer keine Renditen mehr. Investitionen in Aktien sind risikoreich oder durch hohe Kurse bei dieser EZB-Politik auch nicht ratsam.

 

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